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Alfeld (bar). "Es bedrückt mich, dass viele Eltern nicht mehr in der Lage sind, ihren ureigensten Aufgaben gerecht zu werden",
schilderte Landrätin Ingrid Baule ihre Beweggründe, einem gestern offiziell vorgestellten neuen Projekt zur Vorbeugung von Kriminalität und Eingliederung in die Gesellschaft an der Schulrat-Habermalz-Schule den Rücken zu stärken. Leiter des Projekts ist Dieter Knoop, bislang "Streetworker" in der Leinestadt:
"Basisarbeit für das, was seit der frühesten Kindheit versäumt wurde", beschrieb Baule die
Anforderung an das Projekt. Dabei sollen Jugendhilfe und Schule eng zusammenarbeiten. "Stärken stärken", umriss die Landrätin mit einem Schlagwort die Aufgabe, die sich Landkreis, Stadt und Schule bei der Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen gestellt haben.
In Alfeld gebe es viele Gruppen, die vorbeugende Arbeit leisten. Diese müssten jetzt zu einem Netzwerk zusammengeschlossen werden. "Es ist eine Notwendigkeit, auf die bestehenden Projekte aufzubauen."
Dank gebühre nicht den Geldgebern. "Das ist eine Selbstverständlichkeit." Der Dank richte sich an diejenigen, die für diese Aufgabe arbeiten. "Wir haben es mit Menschen, nicht mit Robotern zu
tun", betonte Projektleiter Dieter Knoop. "Ein Mensch kann nicht programmiert werden." Probleme von und mit Jugendlichen seien steigende
Gewaltbereitschaft, Schulversagen, ständiges Schwänzen. Erreicht werden sollen Zugewanderte, die Stillen, die Außenseiter, aber auch die Auffälligen. Viele Jugendliche müssten dazu gebracht werden, eine
andere Richtung einzuschlagen. "Gefühle spielen eine große Rolle", weiß Knoop aus jahrelanger Erfahrung. Wer Gefühle zeigen dürfe, der erfahre, dass er nicht allein ist. "Und wer miteinander
redet, schießt nicht aufeinander." Die Aufarbeitung von Konflikten könne für andere zu einem anschaulichen Beispiel werden.
Und schließlich, so Knoop, könnten Schüler, die sich engagieren, auch merken, dass sie etwas bewegen können. In Alfeld gebe es bereits ein gut ausgebautes Netzwerk, das er zuschätzen gelernt habe. Knoop zählte
eine Reihe von Möglichkeiten auf, wie eine Betreuung auch nachmittags aussehen könnte. Da sei zunächst die oftmals "katastrophale Ernährungssituation" von Jugendlichen. Daher sei ein Mittagstisch denkbar. Weitere Möglichkeiten seien Freizeiten, die Schulhof und Raumgestaltung oder das Erstellen einer Internet-Homepage. Dringend notwendig sei eine Beratung zu Perspektiven.
Weiter erwähnte Knoop ein Amateurfunk-Projekt sowie die Möglichkeit, den Mofa-Führerschein zu machen. "Dabei sind wir auf die Unterstützung der Lehrer angewiesen." Habermalz-Schulleiter Jens
Peter Apel begrüßte zwar die "verbindliche Kooperation" von Schule und Jugendhilfe, schränkte aber ein: "Diese Arbeit kann aber nur sinnvoll und pädagogisch geleistet werden, wenn die
schulischen Voraussetzungen gegeben sind." Dazu benötige die Schule eine mehr als 100-prozentige Unterrichtsversorgung. Die liege zurzeit bei gerade 87 Prozent.
Weitere Voraussetzung seien kleinere Klassen von höchstens 15 bis 18 anstelle der derzeit üblichen 28 Schülerinnen und Schüler. Mindestens zwei zusätzliche Stellen, forderte Apel darüber hinaus. Außerdem
benötigten die Lehrer Stundenermäßigungen. "Damit die auf sie zukommenden Aufgaben auch bewältigt werden können." Bürgermeister Karl-Heinz Duwe hob hervor, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von
Land, Kreis, Stadt, Jugendring und Pro Alfeld handele. Da das Land pro Landkreis nur ein Projekt fördere, habe er sofort nach Bekanntwerden erkannt: "Wenn es irgend geht, müssen wir das nach Alfeld holen.“ Der Landkeis sei sofort bereit gewesen, das zu machen", lobte Duwe. Und außerdem: "Ohne den Stadtjugendring, der als Kostenträger auftritt, hätte es nicht funktioniert."
Sozialdirektor Klaus Klatt vom
Landesjugendamt sprach von einer widersprüchlichen Richtlinie, auf der das Projekt basiere. „Verschiedene Präventionsprogramme sollten gebündelt werden." Zum einen gehe es um die Bündeleng und Initiierung neuer Projekte, zum anderen um die Nachmittagsbetreuung. Ziel sei es, jeweils einen Sozialpädagogen und einen Lehrer "im Tandem" zu Präventionsfachkräften auszubilden. Darüber hinaus sollen die örtlichen Präventionsräte in die Arbeit eingebunden werden
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